In Königsau war es einfach herrlich!

Von Johannes Bill
Zeitweiser der Galiziendeutschen
1971 S. 63-76

  -  EINLEITUNG
  -  
GRÜNDUNG
  -  
DIE KIRCHE IN KÖNIGSAU, DIAZÖSE PRZEMYSL
  -  
DIE SCHULE IN KÖNIGSAU
  -  
DEUTSCHE VEREINS-KULTURLEBEN IN KÖNIGSAU
  -  
ZWEITER WELTKRIEG UND UMSIEDLUNG, ERINNERUNGEN

 

Einleitung

Als Einleitung zu diesem Heimatbericht erscheinen am geeignetsten Worte aus einem Brief einer Königsauer Gewährsperson (= GP) vom 4.4.1965: "Der Name Bill ist uns, das heißt meinen Eltern und meiner Großmutter sehr wohl bekannt. Ambros Bill hatte als Wanderlehrer öfters im Hause meines Großvaters, Siegmund Zintel, der seinerzeit Bürgermeister von Königsau gewesen ist, zu tun. Auch Herr Niemczyk und insbesondere Herr Kolmer sind für meine Eltern keine Unbekannten, Herr Kolmer war während seiner Tätigkeit in Königsau häufig Gast meines Vaters. Über Ihre Nachricht, daß das Hilfskomitee der Galiziendeutsdten und seine Mitarbeiter sich die Mühe machen, Heimatberichte zu veröffentlichen, darunter auch über Königsau, haben wir uns sehr gefreut. Auf diese Weise wird uns Königsau und Galizien wieder sehr viel gegenwärtiger werden und die jüngeren Jahrgänge, zu denen auch ich gehöre (ich bin 1936 geboren), können sich danach ein besseres Bild von ihrer alten Heimat machen."
Um ein solches Bild von Königsau so gut wie möglich zu zeichnen, bedurfte es, wie in früheren Berichten, einer mühsamen Sammel- und Auslesearbeit des Verfassers dieses Berichtes (= V.d.B.). Manche gedruckten und andere von GP schriftlich mitgeteilten Angaben über Königsau weichen voneinander ab. V.d.B. bittet deshalb besonders die Leser aus Königsau, ihn darauf aufmerksam zu mahcen, falls etwas unzutreffend sein sollte, damit im nächsten Zeitweiser eine Berichtigung erfolgen kann.

Gründung
 

Die Entstehung der Siedlung Königsau ist auf Kaiser Joseph II. zurückzuführen. Die Gründungszeit des Ortes fällt auf 1784 (Anmer kung des V.d.B.: Es werden auch 1783 und 1785 genannt). Die Vorfahren sind aus Böhmen, Lothringen und der Rheinpfalz eingewandert. Die Mundart, die in der Rheingegend gesprochen wird, ist bis zur Umsiedlung erhalten geblieben. Man sprach hier ähnlich wie in Brigidau (Deutsches Volksblatt für Galizien 15/1917 = VB). - Ihrer Herkunft nach dürften die Königsauer nicht durchweg von Pfälzern abstammen. Es scheinen auch einige Böhmerwäldler sich dort angesiedelt zu haben, die freilich heute in Sprache und Sitte sich nicht mehr von den Pfälzern unterscheiden. (So VB 36/28.)
Eine GP aus Königsau machte am 23.10.1939 einen Auszug aus der Pfarrchronik, in dem es heißt: "Die Siedlung Königsau bestand bei der Gründung aus 80 Familien, und dies geschah im März des Jahres 1785, wobei jede einzelne Familie eine Wirtschaft bekam. Bis zum Jahre 1890 kamen noch 30 Familien dazu. 1890 zählte Königsau 1000 Seelen. Von den ersten Ansiedlern sind viele nach kurzer Zeit wieder ausgewandert. Die Ansiedler bestanden aus lauter Katholiken und stammten aus Nieder-Österreich, Bayern und der größte Teil aus Bosnien. Der erste Bezirk (= Kreis), zu welchem Königsau gehörte, hieß Sambor, später war es der Bezirk Drohobycz." - An diesem Auszug fällt auf, daß die Ansiedler aus Nieder-Österreich, Bayern und Bosnien gestammt haben sollen. Wenn diese Angabe nicht mit Beweisen belegt werden kann, erscheint sie höchst unwahrscheinlich. Der geistliche Chronist muß da einen Irrtum begangen haben. - Königsau war 1910 ein rein deutsches Dorf und zählte rund 700 Einwohner. Es lag zwischen den ebenfalls rein deutschen evangelischen Dörfern Brigidau und Josefsberg (VB 87/1910). - "Bei uns gab es keine polnischen Familien. Wohl existierten einige polnische Namen, wie Jaslowski (Schneider von Beruf) oder Jaslowski (Tagelöhner), die betreffenden Männer hatten in deutsche Familien eingeheiratet, ihre Kinder sprachen deutsch und wurden als Deutsche erzogen, und die Väter selbst wollten nicht als Polen gelten." (GP vom 4.4.1965.)
Eine GP berichtete: "Es wurde erzählt, daß ein König das Dorf gegründet hat." - Eine andere GP schrieb: "Nach Hören und Sagen müßte der schöne Name Königsau von einem Ansiedler namens König stammen, der kurze Zeit in Königsau lebte." - Eine weitere GP meint: " Wie alte Leute erzählen, soll Königsau in frühester Zeit Königs-Aue geheißen haben. Ab 1935 lautete der amtliche polnische Namen Rowne ad Medenice."
Wilhelm Metzler schreibt in HEIMAT GALIZIEN, Seite 85: "Auf Joseph II. weisen folgende Dörfer hin: Josefsdorf (zweimal), Josefsberg, Josefsthal; dann noch Kaisersdorf, K ö n i g s a u und Königsberg." Wie sowohl den Königsauern wie auch dem V.d.B. bekannt ist, haben nach Königsau Böhmendeutsche, und zwar Egerländer aus der Machliniecer Sprachinsel, eingeheiratet: Elisabeth Böhm aus Machliniec, verheiratet mit einem Josef Kaufhold; Elisabeth Persack aus Machliniec, verwitwete Klinger aus Kornelowka bei Machliniec, wiederverheiratet mit einem Kaufhold aus Königsau. - Anna Peternek aus Machliniec, verheiratet mit Johann Schwarz aus Königsau. - Eine aus Machliniec stammende Königsauerin erinnerte in einem Brief an den V.d.B., daß ein Machliniecer Student des Bielitzer Lehrerseminars in den Sommerferien (etwa 1923) einige Mädchen Lieder gelehrt hat: "Wohlan die Zeit ist kornmen"; "Ade zur guten Nacht"; "Der Jäger in dem grünen Wald"; " Wenn alle untreu werden". - Eine Barbara ChristI aus Machliniec, deren Königsauer Mannesname ist dem V.d.B. unbekannt. - Anderseits haben auch Königsauer nach Machliniec eingeheiratet. Bekannt sind dem V.d.B. die Namen Leo Palmerich, verheiratet mit Anna, geb. Rehmann und Philipp Tirjan, verheiratet mit der Witwe Barbara Stich, geb. Keim. - Die Eingeheirateten wurden in den beiderseitigen Dorfgemeinschaften als durchaus gleichwertige Mitbürgerinnen bzw. Mitbürger behandelt.
Das auffallendste Merkmal von Königsau war sein Dorfplan oder Grundriß. Der Ort war in Gestalt eines regeImäßigen Fünfeckes angelegt. Von den Ecken des fünfeckigen weiten Dorfplatzes, des Marktplatzes oder Ringplatzes, führten fünf Straßen nach außen, die wieder von zwei ringförmigen Straßenzügen geschnitten wurden. Die 80 Wirtschaften des Dorfes waren in vier konzentrischen Kreisen verteilt, die von innen nach außen 10, 15, 25 und 30 Wirtschaften enthielten. Die ganze Dorfform wies darauf hin, das wohl bei der Anlage des Ortes daran gedacht wurde, ihn zu einer Stadt oder mindestens zu einem Marktflecken zu erheben. Vielleicht hatte ein kaiserlicher Beamter den Plan entworfen und den Ansiedlern seine Ausführung empfohlen. In der Mitte des Marktplatzes, von allen Radialwegen aus sichtbar, stand die Kirche. (Prof. Dr. W. Kuhn, Siedlungsformen und VB 36/1928.) Die natürliche Gliederung der Bodenverhältnisse (= geologische Verhältnisse) erschwerten die Versorgung der Bewohner mit Wasser. Die fünf außerordentlich tiefen Brunnen waren an den Eckpunkten des mittleren Straßenringes angeordnet, sie hatten große hölzerne Schwungräder. Verschiedene Versuche wurden gemacht, neue Brunnen zu bohren, doch soll in einer Tiefe von 30 m eine schwer durchschlagbare Schlammschicht das Arbeiten unmöglich gemacht haben. Man kann sich vorstellen, welche Mühe es kostete, die nötigen Wassermengen für die Einwohner und die Haustiere nach den Häusern zu bringen. (Prof. Dr. W. Kuhn und VB 36/1928.) Über die Erstausstattung der Ansiedler mit Bodenflächlen konnte V.d.B. teilweise Angaben finden. Interessante Zahlen über Größengruppen in Joch enthält das Buch von Sepp Müller, Genossenschaftswesen, Seite 98: Danach gab es im Jahre 1820: 4 Wirtschaften mit 6 bis 10 Joch und 75 Wirtschaften mit 11 bis 15 Joch, zusammen 79 Wirtschaften. Im Jahre 1820 zählte Königsau 400 Einwohner und besaß 1178 Joch, das sind 2,9 Joch je Kopf. - Im Jahre 1925 gab es in Königsau folgende landwirtschaftliche Größengruppen:

36 Wirtschaften mit 0 bis 5 Joch  
14 Wirtschaften mit 6 bis 10 Joch  
11 Wirtschaften mit 11 bis 15 Joch  
8 Wirtschaften mit 16 bis 20 Joch  
37 Wirtschaften mit 21 bis 25 Joch  
10 Wirtschaften mit 26 bis 30 Joch  
4 Wirtschaften mit 31 bis 40 Joch  
3 Wirtschaften mit 41 bis 50 Joch  

Das waren zusammen 123 Wirtschaften. Im Jahre 1925 zählte Königsau 693 Einwohner, besaß 1815 Joch, das waren 2,6 Joch je Kopf.
Nach der Reinpold'schen Erhebung vom Jahre 1934 (RE 34} gab es in Königsau 92 Landwirte, 22 Häusler, 2 Handwerker, 1 geistigen Beruf. - Im Kapitel "Besitz der Deutschen" sind angeführt: Grundbesitz 1687 Joch, 108 Wohnhäuser, 227 Wirtschaftsgebäude, 165 Pferde, 578 Rinder, 148 Schweine. - Im Dorfplan von Königsau (ohne Jahreszahl) von einer Königsauer Gewährsperson kommen folgende Familiennamen

Bauer 1mal  
Beck 1mal  
Beitl (=Beutel) 1mal  
Brück 1mal  
Dedich (=Tetich=Tätich) 1mal  
Fachet (=davon einmal Nachet) 4mal  
Geib 1mal  
Hampel 1mal  
Herbst 1mal  
Herzer 1mal  
Kaufold (=Anm.d.V.auch Kaufhold) 3mal  
Langenfeld 2mal  
Lenz 1mal  
Neuheimer 1mal  
Palmrich (=Palmer) 1mal  
Reichert 2mal  
Schneider 1mal  
Schuster 4mal  
Schwarz 1mal  
Tirian (=Tirjan) 4mal  
Thom (Dam) 1mal  
Wagner 2mal  
Walz 2mal  
Zintel 1mal  

Anm. d.V.: Im Dorfplan von der GP kommt der Name Zintel 10mal vor!
Die Zusammensetzung der Familiennamen in der Liste von 1820 und im Dorfplan von einer GP weisen eine viel größere Übereinstimmung auf als mit den Namen in der Liste vom 22.4.1787. Wohin mögen die vielen Träger anderslautender Namen dieser Liste ausgewandert sein und woher kamen die Zugänge in den beiden anderen Listen? - Sollten Leser darauf Antwort geben können, so bittet V.d.B. um Mitteilung.
An Grundbesitz weist die Liste von 1820 aus: 1295 Joch 793 Klafter. Gemeindegrund 117,1012 Joch. Wirtshaus 17,173 Joch. Schulhaus 3,1536 Joch. - Das Pfarrhaus ist nicht erwähnt. - Jährlicher Ertrag von den Äckern 3653 fl 59 Kr, von den Wiesen 379 fl 58 Kr, von den Hutweiden 125 fl 45 Kr, zusammen 4159 fl 43 Kr. Hiervon Steuerleistungen 475 fl 41 Kr, erlassen auf 472 fl 31 Kr.
Anm. d. V.: fl = Florin, Kr = Kreuzer. - Wenn auch die 2,9 Joch je Kopf der Einwohner im Jahre 1820 und die 2,6 Joch je Kopf im Jahre 1925 keine eindrucksvollen Zahlen sind, So machten die Wirtschaften von 15 Joch aufwärts doch den Eindruck der Wohlhabenheit, ja eines gewissen Reichtums, zumal der Boden gut war, sorgfältig bebaut wurde und daher hohe Erträge abwarf. Auch in anderen als gut situiert geltenden Siedlungen gab es ja nicht nur wohlhabende und reich Landwirte. Daher ist durchus berechtigt, was ein Besucher 1926 über Königsau schrieb: "Königsau ist ein schönes, großes, deutsch-katholisches Dorf, rein, sauber und wohlhabend aussehend. Eine Menge schöner Gänse haben wir hier an den Ufern des vielverzweigten Bächleins angetroffen. Die Ortsanlage ermöglicht und fördert in dieser Kolonie eine rationelle Gänsezucht." (VB 43/1926.)
Nach der RE 1934 zählte man in Königsau 649 deutsche Einwohner, davon 4 evangelische, 16 Polen und 12 Juden, zusammen 677 Einwohner. Im Dorfplan aus der Ansiedlungszeit ist nicht ersichtlich, wo die über die Zahl 80 hinausgehenden Gehöfte innerhalb oder außerhalb des fünfeckigen Grundrisses sich befanden. Um den Lebensstandard nicht allzu spürbar absinken zu lassen, wanderten in den Jahren 1900 bis 1914 ziemlich viele Königsauer hauptsächlich nach Amerika aus. Die meisten Auswanderer schickten Geld in die alte Heimat, wodurch der Erwerb neuen Grund und Bodens ermöglich und erleichtert wurde (VB 15/1917).
Der Förderung und Festigung der heimatlichen Wirtschft diente auch die Gründung einer deutschen Raiffeisenkasse. Ein besonderes Verdienst daran hatten die Brigidauer Deutschen, die nach Königsau kamen und den Königsauern die Vorteile einer Raiffeisenkasse erklärten und sie in die Führung einer solchen einwiesen (VB 104/1911).
Am 5. Mai 1912 hielt der Sekretär des Verbandes deutscher landwirtschaftlicher Genossenschften, Mikesch, in Königsau eine Versammlung ab, in welchr einstimmig die Gründung einer Raiffeisenkasse beschlossen wurde. Es traten ihr 44 Mitglieder bei. Den Vorstand bildeten die Grundwirte Siegmund Zintel, Obmann; Jakob Wieser, Stellvertreter; Johann Fachet, Jakob Zintel, Johann Limberger, Jakob Hampel und der Tischlermeister Ferdinand Wolf (VB 161/1912). - Die Kasse soll nach einer GP anfangs im Hause des Emanuel Reichert und nach Erbauung des Gemeindehauses zusammen mit der später gegründeten Molkerei dort untergebracht gewesen sein. Eine andere GP gibt an, daß die Kasse anfangs im Hause Nr. 35 bei Johann Lenz und später bei Jakob Fachet Nr. 6 untergebracht war.
Im Ersten Weltkrieg herrschten die Russen in Königsau. Am 20. Mai 1915 wurde das gesamte Vieh, das in der Gemeinde vorhanden war, weggenommen. Sieben Wohnhäuser brannten gänzlich ab, drei Häuser wurden durch einschlagende Granaten vernichtet. Der 31. Mai war ein Hauptkampftag. Um das Dorf zogen sich nach allen Seiten Schützengräben herum. In der Gemeindeflur befanden sich 42 Kriegsgräber, in denen ungefähr 80 Mann begraben waren. Im Jahre 1917 sollten die Gräber ausgehoben und die Gefallenen im Friedhof ihre letzte Ruhestätte finden. (Ob dies geschah und wann wird im VB nicht berichtet.) Beim Abzug der Russen nahmen diese eine Anzahl von Dorfbewohnern als Geiseln mit, darunter auch den Vorsteher der Raiffeisenkasse, Siegmund Zintel. Ein russischer General mit menschlichem Empfinden veranlaßte, daß der von den Kosaken geraubte gesamte Viehbestand zum Teil wieder zurückkam. - Der Berichterstatter des VB 15/1917 gibt nicht an, wann die Geiseln wieder zurückehrten. - Als nach dem Ersten Weltkrieg die Ukrainer und dann die Polen die Herren des Landes waren, wurde das Dorf wiederum geplündert. Selbst die Obstgärten wurden vernichtet. Im Jahre 1927 hatte eine Überschwemmung auf den Wiesen großen Schaden angerichtet. Besonders die Kartoffelernte wurde vernichtet. Durch die Arbeit der Raiffeisenkasse war es möglich gewesen, manchem Geschädigten unter die Arme zu greifen. Durch Fleiß und Zähigkeit hatte sich die Gemeinde wieder emporgearbeitet und bot das Bild eines aufstrebenden Dorfes (VB 36/1928).
Diesem Streben nach mehr Wohlstand diente auch die von der Molkerei Josefsberg in Königsau eingerichtete Entrahmstation. Sie wurde jedoch 1933 oder 1934 aufgelöst, und die Königsauer gründeten 1937 eine eigene Molkereigenossenschaft, der außer fünf Wirten alle Deutschen beitraten. Die Molkerei wurde an den Lemberger Verband deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften als Prüfungsverband angeschlossen. Für die Molkerei wurde der bestehende Gemeindefruchtspeicher ausgebaut. Die Kasse der Molkerei war zuletzt bei Rudolf Hampel untergebracht. Der letzte Buchführer der Molkereigenossenschaft und der Raiffeisenkasse war Emanuel Schneider. Der Molkerei wurde eine gute Führung bescheinigt (VB 8/1938 und GP). - Eine andere GP teilte mit, daß die Molkereigenossenschaft im umgebauten Spritzenhaus, gelegen neben Schule und Rudolf Wolf, gegenüber der Kirche, untergebracht war.
Von den Gemeindevorstehern oder Schulzen von Königsau ist den Königsauern Siegmund Zintel in gutem Gedächtnis. Er wurde nach Erledigung verschiedener Einsprüche am 28. Juni 1928 endgültig bestätigt (VB 36/1928). - Über das auf seine Initiative erbaute neue Gemeindehaus wird später noch die Rede sein. S. Zintel mußte sein Amt 1935 krankheitshalber abgeben. Ihm folgte als Schulze Jakob Fachet und diesem Viktor Reichert. Nach der sowjetischen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurde der Dorfschmied Josef Wagner als Schulze (auch Holowa genannt) eingesetzt (GP).
Wie alle deutschen Siedlungen in Galizien, bemühte sich auch Königsau nach der Entstehung des neuen polnischen Staates 1918/19 um ein gutes Einvernehmen mit den polnischen Behörden, insbesondere mit der Polizei. Ein Beispiel soll dies illustrieren: Am Sonntag, dem 19. Oktober 1930, wurde in Königsau von zwei Bettlern ein Attentat auf einen Polizeibeamten verübt. Der eine Bettler gab aus einern Revolver zwei Schüsse auf den Polizeibeamten ab, der zweite zog ein Messer und stürzte sich auf den Polizisten. Auf die Hilferufe des Angegriffenen eilten die Dorfbewohner zusammen und nahmen die beiden Angreifer fest. AIsbald war die Polizei zur Stelle und brachte beide Bettler ins Gefängnis. Der Zustand des verwundeten Polizeibeamten war ernst (V B 44/1930).

Die Kirche in Königsau, Diözese Przemysl

 

ZURÜCK SEITENANFANG

Im Jahre 1846 wurde die Kirche erbaut, als das von den ersten Einwanderern errichtete Kirchlein zu enge geworden war. Die Steine für das Fundament wurden von Demniar, das Holz aus dem Revier von Letnia geholt. Das Geld zum Bau der Kirche bekamen die Königsauer von der Regierung. Die Ansiedler leisteten nichts dazu als das Fuhrwerk zum Herbeiführen des Materials. Dem Ingenieur, der Karlbach hieß, gaben sie die Beköstigung. Die Arbeiter zum Kirchbau waren alle von auswärts. Von Königsau haben nur zwei Personen beim Bau mitgeholfen, und zwar Johann Palmerich und Jakob Wagner; sie wurden aber von staatlichem Geld besoldet. Innerhalb eines Jahres wurde die Kirche gebaut; damals regierte Kaiser Ferdinand I. - (Anm. d. V.d.B.: Kaiser Ferdinand I., geb. 1793, gest. 1875, ältester Sohn des Kaisers Franz I., des Gemahls der Maria Theresia, geistig zurückgeblieben, wurde 1848 zur Abdankung zugunsten seines Neffen Franz Joseph I. veranlaßt.) - Der erste Pfarrer hieß Skorski und kam von Medenice. Das Bild der "Madonna Sixtina Rafaelis" (Sixtinische Madonna) im rechten Seitenaltar schenkte die Gräfin Julia Bielska von Rychcice der Kirche. Dieses Bild ist ein Abschlag von dem Marienbilde in Dresden. Alles, was zur heiligen Messe gebraucht wurde, wie Ornate, Monstranz und dergleichen, wurde auf Befehl des Kaisers für staatliches Geld gekauft. Im Jahre 1850 bekam Königsau den ersten Pfarrer. Ein Pfarrhaus war nicht vorhanden, so wohnte der Pfarrer bei Friedrich Kaufhold Nr. 77. Der Friedhof ist noch der erste, welcher bei der Gründung der Siedlung angelegt wurde. Dieser wurde aber schon zweimal vergrößert. Er befindet sich auf dem Acker der Familie Reichert Nr. 5 und Langenfeld Nr. 4 an der Hauptstraße nach Medenice. (Auszug aus den Pfarrbüchern in Königsau, herausgeschrieben von einer GP am 23.10.1939.) Die Kirche war innen mit reicher Malerei versehen. Besonders das Deckengemälde war von gewaltigen Ausmaßen. Leider war es im Laufe der Zeit etwas schadhaft geworden, so daß die Malerei an einigen Stellen beschädigt wurde. Außer dem prächigen Hauptaltar befanden sich noch zwei reich ausgestattete Seitenaltäre im Kirchlein, die beide versenkbare Bilder aufwiesen. Die Malereien waren von künstlerischem Wert. Da die Kirchenglocken im Weltkriege beschlagnahmt worden waren, wurden im Jahre 1923 neue Glocken gekauft. Auch die Orgel mußte einer Ausbesserung unterzogen werden, da ein Teil der Orgelpfeifen von den Russen mitgenommen worden war. Die Kirche selbst war während der Kriegswirren nicht beschädigt worden. Als Sehenswürdigkeit zeigte man darin eine völlig aus Holz geschnitzte Taube, wohl ein Symbol des Friedens. (Nach VB 36/1928.)
Über die Bemühungen der Königsauer um die Erhaltung der deutschen Kirchensprache erfahren wir aus dem VB vom 13.3.1908: In Königsau war vor einigen Jahren ein Priester, der nicht mehr deutsch, sondern nur polnisch predigen wollte. Die Gemeinde lehnte sich dagegen auf und drohte mit dem Übertritt zu einem anderen Glauben. Es kam dann ein anderer Priester in den Ort, der wieder deutsch predigte. Damals bestanden noch kein "Bund der christlichen Deutschen in Galizien" und kein "Deutsches Volksblatt für Galizien".
Über die Toleranz der Königsauer gegenüber den Angehörigen anderer Konfessionen berichtet das VB 2/1907 ein schönes Beispiel: Am 16. August d.J. starb Jakob Damm, Grundwirt und Gemeindeassessor daselbst, im 43. Lebensjahre und hinterließ acht unversorgte Kinder. Derselbe war das einzige evangelische Gemeindemitglied in der großen und schönen deutsch-katholischen Gemeinde Königsau und wurde von allen Gemeindegliedern hoch geachtet. Die Wahl zum Gemeindevorsteher hatte er abgelehnt. Dem Verstorbenen läutete die Sterbeglocke in Königsau und am Tage seiner Beerdigung das Geläute der dortigen deutsch-katholismen Kirche. Die irdische Hülle des Verstorbenen wurde von Senior M. Royer aus Josefsberg am 18. August l.J. eingesegnet und unter Begleitung der ganzen Gemeinde Königsau, den meisten evangelischn Gemeindemitgliedern von Ugartsberg, Josefsberg, Brigidau und den Stammes- und Glaubensgenossen aus den umliegenden ruthenischen Dörfern auf dem katholischen Friedhof zu Königsau, woselbst seine Großmutter, zwei seiner Kinder und eine seiner Tanten ruhen, beigesetzt." Von den Nachfolgern des ersten Pfarrers Skorski liegen keine Angaben vor, ausgenommen den erwähnten polnischen Prediger und seinen deutschsprechenden Nachfolger. Erst das VB 36/1928 berichtet: "Infolge einer krankhaften Störung seines geistigen Befindens mußte der bisherige Pfarrer der Gemeinde, Hochw. Henczel, der perfekt deutsch konnte, seinen Dienst verlassen. An seiner Stelle hält der Geistliche aus Medenice von Zeit zu Zeit Gottesdienste ab." Eine GP teilte mit, daß Pfarrer Henczel mit Rücksicht auf die wenigen aus dem ruthenischen Nachbardorf Skawsko zum Gottesdienst nach Königsau kommenden Polen einmal im Monat polnisch predigte. Eine andere GP wußte, daß Henczel nach Dolina versetzt wurde. Henczels Nachfolger war Pfarrer Johann Deneka (auch Denaka geschrieben). Er wird sowohl in den Berichten des VB wie auch von den GP allgemein gelobt. Am 5.6.1929 wohnte er der Versammlung der Ortsgruppe des Verbandes deutscher Katholiken (= OG des VdK) bei. Auch er predigte nur einmal im Monat wie Henczel polnisch. Pfarrer Deneka war ständiger und fleißiger Leser der deutschen Bücherei in Königsau; Er besuchte auch gern die Versammlungen und Aufführungen des VdK. Eine andere GP berichtet über Pfarrer Deneka: "Er war sehr beliebt. Er hatte fast alle Bücher der Königsauer Bücherei gelesen. Nach den sonntäglichen Vespergottesdiensten versammelte er die Kirchenbesucher im großen Saal des Gemeindehauses, wo Bücher vorgelesen und besprochen wurden, die neuesten Nachrichten aus Zeitungen und Rundfunk, die wichtigsten Ereignisse der Woche besprochen wurden; er hat sich um das geistige Leben der Gemeinde sehr verdient gemacht." Begreiflich, daß der frühe Tod dieses Pfarrers schmerzliches Bedauern bei den Königsauern erweckte. Im VB 20/1936 ist unter anderem zu lesen: "Nach einem langen und schweren Lungenleiden verstarb in Königsau im Alter von 51 Jahren der Ortspfarrer Kanonikus Johann Deneka. Durch mehr als sieben Jahre wirkte er zum Besten der Gemeinde. Als Freund der Jugend nahm er sich ihrer in den ersten Jahren seines Hierseins wärmstens an. Die Jugend sollte nicht nur singen: ,Wir lieben deutsches Fröhlichsein und alte deutsche Sitten', sondern diese Worte auch in die Tat umsetzen. Oft forderte Kanonikus Deneka zum Lesen deutscher Bücher und Zeitschriften auf. Obgleich Pole, erteilte der Verstorbene der Jugend den Religionsunterricht in deutscher Sprache. An der Bestattung von Kanonikus Deneka nahmen außer den Gemeindemitgliedern auch Gäste aus Kaisersdorf, der vorigen Pfarrstelle des Verstorbenen, teil. Die Jugend sang zwei Trauerlieder. Aus Dankbarkeit für die Tätigkeit als Ortsgeistlicher schuf die Gemeinde auf eigene Kosten eine Gruft, wo nun Kanonikus Deneka bestattet liegt. Mit seinem Tode verlor die Gemeinde einen guten und verständlichen Seelenhirte. Ehre seinem Andenken!"
Während der Tätigkeit des Pfarrers Deneka wurde die Kirche in Königsau renoviert. Die Kirche war früher mit einer Bretterverschalung und einem Schindeldach versehen. Frau Karoline Regner aus Broczkow, eine geborene Hampel aus Königsau, kehrte 1929 glücklich aus Amerika zurück und spendete für die Heimatkirche 200 Dollar. Dafür hat man die Kirche verrohrt und einen schönen Zementputz angebracht. Das Dach wurde mit schlesischem Blech gedeckt. Besonderen Anteil an der Verputzung hatten die Maurer Krol und Tettich (VB 351 1929 und GP). Als Nachfolger von Kanonikus Deneka wurde Pfarrer Josef Wolczanski eingesetzt. Als er nach Königsau kam, konnte er nur wenig Deutsch, es reichte zum Predigen nicht aus. Aus diesem Grunde las er häufig anstelle einer Predigt deutsche Texte aus religiösen Büchern von der Kanzel vor. Er gab sich viel Mühe, die deutsche Sprache zu erlernen und predigte später schon deutsch. Wenngleich ein überzeugter Pole, spendete er gern und reichlich, wenn für das Winterhilfswerk gesammelt wurde. Dadurch gewann er die Hochachtung vieler Königsauer. Die Gemeinde gefiel ihm sehr und lobte deren Bewohner als fleißig und sehr ordentlich (zwei GP). Wie das VB 34/1939 berichtete, wurde Pfarrer Wolczanski auf Anordnung des Hochw. Bischofs nach Stojance im Kreis Rudnik versetzt. Die Gemeinde dankte ihm im VB für sein treues und segensreiches Wirken.
An seine Stelle berief der Bischof den Pfarrer Franziszek Stanko. Er war der letzte Pfarrer von Königsau. Das Evangelium verlas er in deutsdier Sprache, die Predigt hielt er meistens in polnischer Sprache, da er die deutsche nicht hinreichend beherrschte (GP). In Königsau (wie auch in Kaiserdorf) wurden deutsche Kirchenlieder gesungen. Der eine oder andere polnische Pfarrer wollte polnischen Kirchengesang einführen mit der Begründung, es gebe keine deutschen Kirchenliederbücher. So allgemein behauptet traf das nicht zu. Denn vor dem Ersten Weltkriege konnte man unmittelbar vom katholischen Verlag Steinbrenner in Winterberg in Böhmen oder durch den Verlag des Deutschen Volksblattes in Lemberg deutsche Gebets- und Liederbücher und andere religiöse Literatur in beliebiger Menge beziehen. In den etwa vier Jahren nach 1918/19 waren Neubeschaffungen schwierig. Viele Leute halfen sich damit, daß sie, besonders Frauen, Lieder abschrieben. Dennoch hatte schon im Jahre 1901 ein Matias Eckes die polnischen "Gorzkie zale" ins Deutsche übersetzt mit der Bezeichnung auf dem Titelblatt: "Betrachtungen des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi während der heiligen Fastenzeit" und in Lemberg drucken lassen. Das Heftchn trägt auf der Rückseite des Titelblattes den Vermerk: L. 6961. Imprimatur (= kirchliche Druckerlaubnis). Vom rörnisch-katholischen erzbischöflichen Ordinariate. Lemberg, am 19. Dezember 1901.
Josef Erzbischof, m. p. (Josef, das war der damalige Erzbischof Dr. Josef Bilczewski). Auf der Titelseite ist als Verlagsort der dritten Auflage Kaisersdorf angegeben. Der spätere Lehrer von Königsau, Jakob Hott (1919-1929), gebürtig aus Kaisersdorf, ließ die dritte Auflage drucken und in den beiden Orten verbreiten. Der Verlagsort für die erste oder die zweite Auflage oder für die erste und die zweite dürfte Königsau gewesen sein. Von der dritten Auflage steht im VB 14/1930 folgendes Notiz: "Betrachtungen des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi in der Fastenzeit" herausgegeben von Lehrer Jakob Hott, Kaisersdorf. Auf der Titelseite der 3. Auflage 1-500 ist als Herausgeber jedoch auch Matias Eckes angegeben. Die Unstimmigkeiten vermochte auch die Witwe des Lehrers Jakob Hott nicht zu klären:. Sie weiß aber, daß ihr Mann wegen des Druckes des Büchleins in Lemberg war. (Brief vom 7.5.1966.)
Nach der RE 1934 war der Pfarrer in Königsau ein Pole, er predigte an drei Sonntagen im Monat deutsch, es wurde immer deutsch gesungen, der Religionsunterricht wurde in deutscher Sprache erteilt.

Fortsetzung Seite 2