-  DIE SCHULE IN KÖNIGSAU
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DEUTSCHE VEREINS-KULTURLEBEN IN KÖNIGSAU
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ZWEITER WELTKRIEG UND UMSIEDLUNG, ERINNERUNGEN

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Die Schule in Königsau

Über die Geschichte der Schule in Königsau, von der Gründung der Siedlung bis zum Jahre 1867, in welchem Galizien von Kaiser Franz Joseph I. zusammen mit der galizischen Autonomie (= Selbstverwaltung) auch die eigene polnische Schulverwaltung erhielt, und über 1867/70 hinaus konnte der V.d.B. keine Angaben sammeln. Wir wissen nichts über die bis 1867 gewiß doch auch in Königsau eingerichtet gewesene private Gemeindeschule, über deren Erhaltung und deren Lehrpersonen sowie über die nach 1867/70 erfolgte Verstaatlichung der Schule. Die ersten Nachrichten über die Schule in Königsau finden sich im Deutschen Volksblatt für Galizien. "Dem Kirchlein gegenüber befindet sich eine 1904 neuerbaute, gemauerte, öffentliche deutsche Schule, welche 121 Kinder besuchen. Sie steht an einem sehr schönen Orte, auf dem sogenannten Ringplatze. Das Schulhaus besteht aus zwei Schulzimmern und der Wohnung des Oberlehrers." (VB 87/1910) - Wer damals Oberlehrer war und wer Zweitlehrkraft, wird nicht berichtet. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurde ein Oberlehrer L. W., ein gebürtiger Königsauer, der das Lehrerseminar in Sambor besucht hatte, zum Kriegsdienst bei der österreichisch-ungarischen Armee eingezogen. (Nach GP). - Die Frau des Oberlehrers L. W. war eine Polin. Sie soll Lehrerin in Königsau während des Krieges gewesen sein. Sie habe viel Polnisch unterrichtet. Die Leute waren nicht zufrieden mit ihr, so daß sie den Ort verließ (GP).
Nach dem Ersten Weltkrieg war in Königsau ein sehr beliebter Lehrer: Jakob Hott, ein gebürtiger Kaisersdorfer. Hott, geboren 28.1.1897, absolvierte 1915 das k. u. k. Lehrerseminar in Sambor, kam Ende November aus dem Kriege nach Kaisersdorf, seiner Heimatgemeinde, heim. Damals regierten im Lande die Ukrainer. Die Gemeinde reichte mit Hott ein Gesuch ein, und er bekam die Stelle als Schulleiter in Kaisersdorf. Im Sommer 1919 kam der Oberlehrer Czechowski nach Kaisersdorf, seinem Dienstorte, zurück. Hott ging dann nach Königsau, wo er zuerst alleiniger Lehrer war. Nam Heimkehr des Oberlehrers Walz war Lehrer Hott bis 1929 Zweitlehrer. Jakob Hott hatte mit der Königsauer Jugend deutsche Volks- und Kirchenlieder eingeübt. Im Jahre 1928 wurde er nach Drohobycz aufs Schulamt vorgeladen. Man hat ihm da vorgeworfen, daß er zu wenig polnisch unterrichte und deutsche Lieder mit der Jugend singe. Lehrer Hott hatte alle in Betracht kommenden Gesetze durchstudiert, er wußte, was erlaubt war und was nicht. Man konnte ihm nichts anhaben (GP v. 29. März 65).
Die Unterrichtssprache war bis 1926 deutsch, dann wurde die polnische Unterrimtssprache für alle Fächer eingeführt. Auf den einmütigen Protest aller Königsauer hin wurde jedoch erreich, daß auch die deutsche Sprache gebührend berücksichtigt wurde. Der ganze Ort war rein deutsch. Ein einziger Jude war ansäßig (Nach VB 36/1928).
Aber schon in Nr. 46/1928 berichtete das VB: "Trotzdem die Leute in Königsau um die deutsche Unterrichsprache für das erste Schuljahr und für die anderen Schuljahre um die deutsch-polnische Unterrichtssprache ansuchten, unterrichtet Oberlehrer W. in polnischer Sprache. Zwei Männer sprachen hierauf beim Schulinspektor vor, und dieser erklärte, daß er dem Herrn W. bereits den Auftrag zum Unterrichten wie verlangt gegeben habe, dennoch handelte der Oberlehrer nach seinem Willen gegen den Willen der ganzen Gemeinde."
Um den Lehrer Jakob Hott aus Königsau herauszubekommen, fanden die polnischen Schulbehörden einen anscheinend einwandfreien Weg. Die Art und Weise der Versetzung Hott's geht aus folgenden Schriftstücken hervor, die man überschIreiben könnte: Geschichte der Versetzung eines tüchtigen deutschen Lehrers "dIa dobra szkola", das ist "zum Wohle der Schule".
Der damalige deutsche Abgeordnete im polnischen Sejm (= Parlament), F. Lang, schrieb am 19.12.1928 von Lemberg aus an Hott:
Sehr geehrter Herr Hoth! (Über die Schreibung des Namens Hoth oder Hott siehe den Bericht über Kaisersdorf im ZW 1969!)
lch bitte mir baldmöglichst eine genaue Schilderung der Vorfälle, die Ihrer Ansicht nach die Versetzung veranlaßt haben. Dabei geben Sie Ihr Alter, Prüfungen, Dienstjahre und den Umfang Ihrer Wirtschaft an. Wir werden versuchen was möglich ist, obwohl man gegen »dIa dobra szkoly" nur in allerseltensten Fällen etwas ausrichten kann. Dies alles schicken Sie mir nach Bydgoszcz (= Bromberg) 4, plac Petersona 4. Mit freundlimem Gruß Ihr F. Lang

Sejm der Republik Polen Warschau, den 22.1.1929
Sehr geehrter Herr Hoth!
Im bitte Sie, umgehend von sich aus ein Gesuch an das Ministerium im Dienstwege einzuschicken, worin Sie um die Belassung in der bisherigen Stellung in Königsau bitten. Etwa folgendermaßen: (Der polnische Text lautet in deutscher Übersetzung:) An das Ministerium für Kultus und Unterricht in Warschau Endesgefertigter, Lehrer der Volksschule in Königsau, Kreis Drohobycz, wurde mit Reskript (= Erlaß) des Ministeriums f. K. u. U. vom 19.11.1928 Nr. 16866 von Amts wegen zum Wohle der Schule auf den 1. Februar 1929 nach Boryslau versetzt.
Diese Versetzung hat den Unterfertigten nicht nur überrascht, sondern auch außerordentlich geschmerzt, denn nicht nur ist er sich keinerlei Schuld bewußt, die die Ursache der Versetzung sein könnte, sondern er übt mit aller Aufopferung und Hingabe seinen Beruf aus. In der Gemeinde Königsau ist er seit 1919 tätig und führte ein harmonisches Zusammenleben mit der Schule, den Schülern und ihren Eltern. Er gründete sich eine kleine Hauswirtschaft und vor allem eine Bienenzucht. Daher bildet die Versetzung für ihn einen moralischen Schlag und eine materielle Schädigung. Er bittet deswegen dringend, Das Ministerium für Kultus und Unterricht möge gütigst obengenannte Verordnung zurückziehen und den Bittsteller weiterhin in Königsau belassen. Jakob Hoth.
Weiter Lang: Sie müssen aber nach Boryslau gehen, wenn Sie das nicht tun, werden Sie entlassen. Lassen Sie also vorläufig die Familie in Königsau zurück und gehen Sie allein hin und warten auf Nachricht vom Ministerium. Am Freitag werde ich persönlich intervenieren und Ihnen sofort das Ergebnis mitteilen. Mit besten Grüßen F. Lang

Sejm der Republik Polen Warschau, den 25.1.1929
Sehr geehrter Herr Hoth!
Soeben komme im vom Unterrichtsministerium, wo ich in Ihrer Angelegenheit interveniert habe. Die Versetzung ist nicht umzustoßen - leider! Es wurde mir nach Einblick in Ihre Akten versichert, daß die Versetzung lediglich geschah, um an Ihre Stelle nach Königsau eine Lehrerin zu geben, die auch Handarbeitsunterricht erteilen kann, und Sie sollen hauptsächlich in Boryslau den Unterricht für Deutsch übernehmen. Das Gesuch der Gemeinde, dessen Abschrift man mir zugeschickt hat, ist bereits abschlägig beschieden an das Kuratorium zurückgeschickt worden. Ihre Versetzung ist absolut nicht angreifbar. Der Herr Vizeminister meint, das Einschreiten wäre verständlich, wenn eine Strafversetzung oder eine Versetzung auf eine schlechtere Stelle erfolgen würde, da aber die Versetzung an eine 7-klassige Schule für Sie einen Fortschritt und vielleicht eine Auszeichnung bedeutet, kann er das Einschreiten nicht verstehen. Natürlich bin im persönlich einer anderen Meinung - es gibt eben Gründe, die man nicht sagt und nicht schreibt. - Es tut mir sehr leid, daß Sie nun Königsau verlassen müssen. Grüßen Sie bitte Herrn Gemeindevorsteher Zintel und Herrn Reichert und teilen Sie ihnen unseren Mißerfolg mit, der mir besonders nahe geht.
Mit bestem Gruße Ihr F. Lang

Somit wird auch Ihr persönliches Gesuch, das im Ihnen einzureichen riet, ohne Erfolg bleiben. Das VB 10 vom 10.3.1929 berichtete über die Versetzung des Lehrers Hott aus Königsau: Unser zweiter Lehrer, Herr Jakob Hoth, ist trotz Vorstellungen, Einwendungen, Bitten bei den einzelnen Schulinstanzen von unserer Schule, an der er 9 1/2 Jahre zu unserer größten Zufriedenheit wirkte, nach Boryslau versetzt worden, und zwar mit der Begründung, daß es das "Wohl der Schule" verlangt. Ein Grund, für die Gemeinde unverständlich, da sie gerade in Herrn Hoth das Wohl der Schule erblickte. Durch die Versetzung von Lehrer Hoth hat nicht nur die Schule einen schweren Schlag erlitten, sondern die ganze Gemeinde. Er war nicht nur Lehrer, der bestrebt war, den Kindern das Beste zu geben, sondern auch Volkserzieher. Neben seiner Arbeit in der Schule, der er mit größtem Fleiße nachkam, lag ihm auch die Arbeit an der der Schule entwachsenen Jugend am Herzen. Er war um ihre Weiterbildung bemüht und pflegte ganz besonders den Gesang. Er hat das Verdienst, daß die Raiffeisenkasse in der Gemeinde heute wieder tätig ist. Auch sonst war er ein lieber Berater, und "Groß und Klein" ehrte, liebte und schätzte ihn. In den ersten Februartagen, als er mit seiner Familie unser Dorf, das ihm zur Heimat geworden war, verließ, sah man beim Scheiden so manches Auge sich feuchten. Es sei Herrn Hoth, unserem gewesenen lieben Lehrer, nochmals an dieser Stelle für alle seine Mühe, Liebe und Treue herzlichst gedankt, und wir wünschen ihm und seiner Familie in seinem neuen Wirkungsorte alles Gute und Gottes Segen. Z. (= Zintel)
Königsau. Allen Bekannten und Freunden rufe ich beim Scheiden aus Königsau ein herzliches Lebewohl zu! Ich danke allen für die Liebe und Freundlichkeit, die mir erwiesen wurden. Die Beweise der Anhänglichkeit haben mich gefreut und sollen unvergessen bleiben. Besonderen Dank auch allen denen, die mir bei der Übersiedlung mitgeholfen haben. Jakob Hoth. Lehrer.
Eine GP schrieb dem V.d.B.: "Als Oberlehrer W. aus dem Kriege zurückkehrte, heiratete er die Lehrerin, die während des Krieges unterrichtet und den Ort verlassen hatte. Es wurde für möglich gehalten, daß diese Lehrerin schuld an der Versetzung des Lehrers Hoth war . Genaues wußte man nicht." Eine andere GP schrieb: "Jakob Hott war ein guter Lehrer. Er wurde gegen den Willen der Gemeinde versetzt, seine Frau stammte aus Kaisersdorf."
Nach Jakob Hott war kurze Zeit ein Hobler Zweitlehrer in Königsau. Nach ihm kam die Lehrerin Frl. Anna Lang, gebürtig aus Kaisersdorf (GP). -
"Schulleiter L. W. ist 1934 nach langem Krankenlager an Tbc in seiner Wohnung in Königsau verstorben und auf dem dortigen Friedhof begraben. Dann kam der Schulleiter Lagan aus Stryj nach Königsau. Als Zweitlehrerin unter Lagan, der nur gebrochen deutsch sprechen konnte, waren Frl. Lang und nach ihr ein Lehrer Ulanecki. Lagan unterrichtete Polnisch, Frl. Lang und Ulanecki Deutsch. In der Kerbzeit, wenn die kleine Jugend in ihrer Stube Tanz hatte, kam Lagan mit seiner Frau zum Zusehen, dann tanzte Lagan mit seinen ehemaligen Schülerinnen und Frau Lagan mit den Schülern. Frl. Lang hat viel Liebes und Gutes getan und war sehr beliebt. Die Königsauer Kinder beherrschten nach Schulentlassung die deutsche Sprache besser als die polnische. Nur einzelne verstanden polnische Bücher und Zeitungen. In der Umgebung wurde doch meistens ukrainisch gesprochen. Polnisch ist stets als Fremdsprache betrachtet worden, und als solche wurde sie nur soweit erlernt, um sich mit Polen über alltägliche Dinge verständigen zu können." (Nach drei GP.)

Studiert haben aus Königsau L. W., der Oberlehrer in Königsau war; Wilhelmine Langenfeld wurde Lehrerin; Benedikt Wagner war Oberlandesgerichtsrat in Warschau und legte in der Hitlerzeit sein Amt nieder, weil er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, nach Hitlers Vorschriften urteilen zu müssen. Daraufhin kam er ins Konzentrationslager, in dem er umkam; Johann Wagner war schon in Galizien Lehrer und übt jetzt noch (1965) diesen Beruf aus; Jakob Neuheimer war ebenfalls Lehrer, fiel aber im Krieg; Dr. Siegmund Limberger wollte in Galizien Pfarrer werden, durch den Krieg und die Umsiedlung wurde er Arzt. Er wohnt in Stuttgart und arbeitet im Krankenhaus; er hat eine eigene Praxis mit einigen Betten für Schönheitsoperationen und außerdem einen Kosmetiksalon. Rudolf Limberger ist Chemiker; Reinhold Reichert ist Finanzbeamter. (Ladislaus Neczypor, Landwirtschaft?) (GP).

Anm. d. V.d.B.: Zur Jahrhundertfeier Machliniec Pfingsten 1923 waren als Vertreter der Gemeinde Königsau erschienen: die Lehrerin Wilhelmine Krawcow, geb. Langenfeld; Josef Reichert und Josef Zintel. Die drei haben sich in der Festschrift unterschrieben. - Ein Brief des V d.B. an Dr. med. Siegmund Limberger in Stuttgart kam zurück mit dem Vermerk: Empfänger verstorben. -
In der "Reinpold'schen Erhebung" vom Jahre 1934 finden sich unter "Schule" folgende Angaben: Zweiklassige staatliche Volksschule mit deutscher Unterrichtssprache, 118 deutschen und 2 jüdischen Kindern, einer deutschen und einer slawischen Lehrperson, beide haben die Lehrbefähigung für Deutsch. -

 

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Deutsches Vereins-Kulturleben in Königsau

Nachder 1907 erfolgten Schaffung eines Schutzvereines, des Bundes der christlichen Deutschen in Galizien (= Bund), der die evangelischen und die katholischen Deutschen des Landes zwecks Erhaltung und Pflege ihrer deutschen Kulturgüter und der Förderung ihrer wirtschaftlichen Interessen erfaßte, schloß sich Königsau diesem Bunde an. Am 18.11.1910 besuchte ein Wanderlehrer des Bundes die Gemeinde. Es wurde die Gründung einer Ortsgruppe (= OG) und eines Lesevereines beschlossen (VB 87/1910).
Um das während des Ersten Weltkrieges durch Kirche und Schule erschütterte Gefühl der Zusammengehörigkeit der Gemeinde mit dem Gesamtdeutschtum wieder zu stärken, fand am 3.1.1918 die gründende Versammlung einer Frauen- und Mädchen-Ortsgruppe des Bundes statt. Die Wanderlehrerin, Frau Vellhorn aus Lemberg, hielt einen allgemein völkischen Vortrag, der mit gespanntem Interesse angehört wurde. (VB 3 v. 17.1.1918.)
Hier erscheint es angebracht, noch einmal der kulturellen Tätigkeit des Lehrers Jakob Hott in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg zu gedenken. Er lehrte die Jugend Volks- und Kirchenlieder, er sang mit den Burschen, seine Frau Elisabeth, geb. Kröpil aus Kaisersdorf, sang mit den Mädchen. Das Ehepaar Hott lud die Jugend zweimal in der Woche zu sich in die Wohnung ein. Die Jugend kam sehr gerne zu diesen Singabenden (GP v. 3.10.66).
Anstelle des 1923 von den polnischen Behörden aufgelösten Bundes riefen die deutschen Katholiken in Galizien (die Evangelischen hatten ihre deutsche Kirchen- und Schulorganisation, außerdem gab es für beide Konfessionen eine gemeinsame Wirtschaftsorganisation) 1925 im Reg.-Bez. Stanislau und 1926 im Reg.-Bez. Lemberg, wohin Königsau gehörte, den Verband deutscher Katholiken (VdK) ins Leben. Auch in Königsau entstand ein OG des VdK. Am 12.12.1927 besuchte ein Wanderlehrer des VdK die Gemeinde. Zwei Polizisten mit aufgepflanzten Seitengewehren nahmen gegenüber dem Redner Platz. Sie untersagten dem Wanderlehrer das Singen mit den Anwesenden, worauf diese enttäuscht den Saal verließen (VB 1 v. 1.1.28).
Doch ließen sich besonders die Jugendlichen der OG dadurch nicht entmutigen. Als am 16.3.1928 der Wanderlehrer des VdK die Gemeinde wiederum besuchte, um die Jahreshauptversammlung durchzuführen, war der Besuch sehr zahlreich. Dank der regen Werbetätigkeit des ersten Obmannes der OG, Johann Trunkwalter sen., war die Mitgliederzahl auf 158 gestiegen. Die Jugend bekundete großes Interesse für Gesang und Theaterspiel (VB 19/1828).
Vor dem Kirchweihfest (Kerb) in Königsau, welche am 21.10.1928 stattfand, entstand eine Meinungsverschiedenheit wegen des Eintrittsgeldes zum Tanzlokal. Dank dem Auftreten des neuen Gemeindevorstehers, Siegmund Zintel, wurde das Eintrittsgeld doch eingehoben. Zugleich regte er den notwendigen Bau eines Gemeindehauses an. Als Beispiel für die anderen spendete der Schulz 50 Zloty (was einem heutigen Geldwert von etwa 200 DM entspricht), worauf nun alle Gemeinderatsmitglieder 10 Zloty, manche auch mehr spendeten. Besonders anerkannt wurde, daß Adalbert Kaufhold den Schotter zum Bau beisteuerte, weil dieser dort sehr schwer zu bekommen war. Mehrere Leute verpflichteten sich, Holz zum Bau zu geben (VB 46/1928).
Der Bau des Gemeindehauses erfolgte im Jahre 1929 und ist in demselben Jahr eingeweiht worden. In der Zeit vorher fanden Tanzveranstaltungen, Gemeindeversammlungen, Versammlungen des VdK, Singstunden und Theaterproben im Haus Nr. 98 statt. Das war die ehemalige Dorfschenke des Adam Trunkwalter und dessen Nachfolgers Gustav Fitz. Das Gemeindehaus enthielt einen großen Saal, in dem ein Radio und ein Tischtennis für die Jugend aufgestellt waren, eine Gemeindekanzlei und einen Kaufladen (GP v. 14.3.65 und 5.4.65).
Aus der Tätigkeit des VdK können im nachfolgenden nur die wichtigsten Tatsachen und Vorkommnisse aufgezeichnet werden. Im Jahre 1930 besuchte die Wanderlehrerin, Frl. Maria Koppe, die Gemeinde und leitete Familien- und Gesangsabende (VB 11/1931). - In der Jahresversammlung am 17.12.1933 forderte der Schriftführer Ernanuel Schneider alle Mitglieder auf, sich eng zusammenzuschließen, öfters zusammenzukommen, gute Bücher und Zeitungen zu lesen und sich zu seiner Muttersprache offen zu bekennen. Die Jugend nahm sich diese Worte zu Herzen und beschloß, jeden Sonntag und Donnerstag zusammenzukommen, um das Volkslied zu pflegen, Gesellschaftsspiele zu veranstalten und Bühnenstücke einzustudieren. Mit dem Absingen des Liedes "Kein schöner Land in dieser Zeit" und "Gute Nacht, auf Wiedersehen" wurde die OG-Versammlung beschlossen (VB 51/1933). Ein besonderes Ereignis im kulturellen Leben der Gemeinde war der Besuch der Jugend des Lesevereins von Brigidau mit ihrem Obmann Johann Becker am 6.1.34. Die Brigidauer führten das Spiel "Alt-Heidelberg" auf. Die Spielschar wurde von den Königsauern mit größtem Wohlwollen aufgenommen. Der Familienabend war überaus zahlreich besucht, und die Teilnehmer folgten mit größtem Interesse den gut gelungenen Darbietungen. Dieser Abend war auf Einladung des hochwürdigen Pfarrers von Königsau, Johann Deneka, zustande gekommen, dem dafür im VB 5/1934 herzlich gedankt wurde.
In der VdK-Versammlung am 17.1.1935 wurde der Jugend ein großes Lob ausgesprochen für ihren Eifer und ihre Leistungen.
Aus dem Bericht eines Wanderlehrers: "Es war eine Freude, bei den jungen strammen Mitgliedern weilen zu können, die Arbeit fiel einem leicht, und der Erfolg blieb nicht aus. In letzter Zeit wurde der Entschluß gefaßt, ein der Jugend entsprechendes eigenes Vereinslokal mit Radio, Bücherei und Tennisspiel einzurichten. Die Burschen gaben den größten Teil ihres Fastnachtsgeldes her, um dieses Vorhaben zu verwirklichen. Das Faschingskränzchen wurde im Gemeindehaus mitgemacht. Für Abwechslung und Heiterkeit sorgten Lieder, Kanons und Volkstänze. Sogar die Männer wollten diese Reigen, allein und unbeobachtet, erlernen." - Eine GP schrieb dem V.d.B. über dieses Jugendheim: "Dieses Heim wurde in dem ehemaligen Gasthaus eingerichtet, welches nach dem vorzeitigen Tod des Wirtes, Gustav Fitz, stillgelegt war. Das Haus war zwischen Johann Trunkwalter und Johann Wieser gelegen. Die Hälfte des Gebäudes war an Rudolf Hampel verkauft, und dieser hatte jene Hälfte an die Jugend verpachtet. Es war ein schönes großes Zimmer. Die Lehrerin Frl. Anna Lang und einige Wanderlehrer haben in diesem Heim allerhand für die Jugend getan. Wenn Kerb oder Fastnacht war und alle Erwachsenen im Gemeindehaus das Tanzbein schwangen, dann durfte auch die noch nicht saalfähige Jugend in dieser Dorfstube bei einer Ziehharmonika oder Drei-Mann-Kapelle hoppeln und so das Tanzen lernen. Im Winter verbrachte die Jugend die Abende mit Spielen, z.B. "Wenn der Topf aber ein Loch hat, lieber Heinrich" und so mehr. Im Sommer wurden fast jeden Sonntagnachmittag im Freien Volkstänze vorgeführt. Das alles war einfach herrlich." (GP v. 7.3.1965.)

Immer mehr bemühte sich die Jugend von Königsau, kulturelles Leben zu pflegen, um nicht in einen Zustand der inneren Leere und Gleichgültigkeit zu versinken. Weder der strömende Regen noch der weite, weil über 30 km lange, Weg konnte den begeisterten Teil der Jugend von der Jahrestagung des VdK in Kaisersdorf abhalten. Mit viel Freude und Dank nahmen die Königsauer den Besuch der Kaisersdorfer Jugend am 14.7.1937 entgegen. Diese Besuche mit Spiel und Lied trugen zu einem Näherkommen und zu einer engeren Verbindung bei (VB 3/1935).
Die Weihnachtsfeier 1935 gestalteten die jüngsten Mitglieder des VdK, sie waren Veranstalter und Spieler zugleich. Wenn es im ungeheizten Gemeindehaus bei den Proben auch manchmal Zähneklappern gab, so blieben die Früchte doch nicht aus. Beide Bühnenstücke wurden flott und gut gespielt und von mehrstimmigen Weihnachtsliedern umrahmt (VB 4/1936).
Aus dem Tätigkeitsbericht der OG des VdK, die am 19.12.1936 stattfand, werden Aufführungen, Feiern, Versammlungen mit Vorträgen, Liederabende, Ausflüge der Jugend nach Machliniec, Brigidau und Kaisersdorf, der Besuch der Jugend aus anderen Siedlungen angeführt (VB 12/1936).

Im Jahre 1936 fand in Königsau unter Leitung einer VdK-Lehrerin ein Sprachkursus statt. An den Abenden wurde gelesen und wiedererzählt. Aus der Sprachlehre lernten die jungen Leute die wichtigsten Wortarten kennen, besonders großes Gewicht wurde auf die Rechtschreibung gelegt. Da die Spitzschrift besonders den jüngeren Teilnehmern unbekannt war, wurde auch diese geübt. Der Kursus war erfolgreich (VB 8/1937). Ähnlich wie in den meisten Siedlungen mit einer VdK-OG sammelten auch die Königsauer im Jahre 1937 für die Nothilfe. Dabei erfuhren die Sammler manche Gebefreudigkeit. Sogar der Ortspfarrer Hochwürden Wolczanski spendete zwei Zloty und Schulleiter Lagan einen Zloty, obgleich sie Polen waren (VB 26/1937). Am 3. Oktober 1937 wurde in Königsau zum erstenmal ein Erntedankfest gefeiert. Kirche und Gemeinde wurden mit Früchten und Blumen geschmückt. Morgens im Hochamt wurde der Erntekranz geweiht und dann nach dem Gottesdienst von der Jugend durch das Dorf getragen. Vor dem Gemeindehaus wurde ein Erntespiel aufgeführt, das alle Anwesenden fesselte. Der Gemeindevorsteher hielt eine Ansprache, in der er Sinn und Bedeutung der Erntefeier hervorhob (VB 42/1937).
Die Vollversammlung der OG am 23.2.1938 war von der Jugend besonders stark besucht, dagegen schwächer von den Erwachsenen, die der Meinung waren, die OG sei nur für die Jugend da. Die starke Zunahme der Bezieher des VB von 7 auf 36 ließ auf baldige Besserung hoffen (VB 8/1938).
Am 22.1.1937 wurde die Vermählung von J. Trunkwalter und E. Limberger!gefeiert. Schon zwei Tage vorher gingen, nach der Väter Brauch, zwei "Hochzeitsbitter" mit je einem Stock, an die die Geladenen bunte Bänder befestigten, im Dorf herum. Nach der Trauung versammelte sich die Hochzeitsgesellschaft im Hochzeitshaus. Beim Festessen wurde eine Rede gehalten, in der das Brautpaar aufgemuntert wurde, auch fernerhin dem deutschen Volke, seiner Sprache und Sitte die Treue zu halten.
Die Jugend brachte ihre Sympathie auch anderen Brautpaaren zum Ausdruck. Am 22.1.1937 dem Johann Trunkwalter und Frl. Liese Kaufhold, am 15.2.1938 dem Rudolf Reichert und Frl. Wilhelmine Kaufhold, am 29.7.1939 dem Felix Neuheimer und Frl. Mathilde Wolf (VB 8/1937, 8/1938, 10/38, 34a/39).
Die Obmänner der OG des VdK: Johann Trunkwalter sen., Johann Reichert, Josef Langenfeld und Emanuel Reichert waren 1965 bereits verstorben. Adolf Tettich lebte 1965 als Rentner in Brehna, Kreis Bitterfeld; Ferdinand Fachet ist gefallen. Besonders rührige Mitglieder der OG waren Valerian Wolf, Johann Trunkwalter jun. und Emanuel Schneider (GP v. 5.4.1965).
 

Zweiter Weltkrieg und Umsiedlung. Erinnerungen

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In den letzten Jahren vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bekam, wie fast alle deutschen Siedlungen in Galizien, auch Königsau die zunehmende Rechtlosigkeit zu spüren. Wer z.B. ein Grundstück erwerben wollte, so war es ausgeschlossen, dazu von den polnischen Behörden die Genehmigung zu erhalten (GP v. 28.4.1965).
Vor und bei Ausbruch des Krieges wurden in Königsau keine Verhaftungen vorgenommen, aber es standen manche Personen auf der Liste (GP wie oben). Die Verhaftungen wurden verhindert durch den Polizeimeister Klimentowicz, der den Königsauern wohlgesinnt war (GP v. 4.4.1965).
Zur Umsiedlung ließen sich in Königsau alle registrieren bis auf den Pfarrer Franziszek Stanko, den Oberlehrer Lagan und eine alte Frau mit ihrer stummen Tochter (GP v. 7.4.1965).

Pfarrer Stanko hielt am 3.1.1940 abends einen Abschiedsgottesdienst mit Segen. Er forderte seine Pfarrkinder auf, im Glauben festzubleiben und das Erbe der Väter zu bewahren. Er wünschte den Scheidenden in der neuen Heimat alles Gute. Am folgenden Morgen, als sich der lange Treck mit Frauen und Kindern nach der Verladestation Stryj in Bewegung setzte, ließ er alle Glocken läuten. Pfarrer Stanko wurde zum Umsiedeln aufgefordert, lehnte jedoch ab mit der Begründung, er habe vom Hochwürdigen Herrn Bischof in Przemysl den Auftrag erhalten, die Kirche und den Ort bis auf weiteres nicht zu verlassen. Er ist bis Przemysl mitgefahren. Im Jahre 1941 oder 1942 schrieb der letzte in Königsau tätig gewesene Briefträger einer Königsauer GP, Stanko sei von ukrainischen Partisanen überfallen und getötet worden. Dies soll geschehen sein, als er einen Gang von Medenice, wo er die polnische Pfarrgemeinde nach der Flucht ihres Seelenhirten betreute, nach Königsau unternahm (fünf GP).

Eine GP schrieb dem V.d.B.: "Die Umsiedlung war das traurigste Erlebnis. Wir sind gefahren wie in den Tod, alle Glocken haben geläutet."
Schulleiter Lagan ist nach der Besetzung durch die sowjetischen Truppen verschwunden. Man hat nichts mehr von ihm erfahren (GP v. 4.5.1965).

Einigeunangenehme Tatsachen haben Königsauer an ihre alte Heimat in Erinnerung. Eine GP schrieb: "Aus dem heutigen Abstand heraus könnte man als unangenehm bezeichnen die schlechten Wegverhältnisse sowie die stadtferne Lage, die zunehmende Belästigung der Deutschen und Unterdrückung des Deutschtums von seiten der Polen. (4.5.1965.)
Eine andere GP: "Es war zu weit zur Bahn. Die Brunnen waren zu tief. Es waren keine Fabriken in der Nähe." (28.4.1965.)

Über angenehme Erinnerungen an Königsau wußten GP folgendes zu berichten: "Angenehm im Gedächtnis habe das Dorf selbst in seiner schönen architektonischen Gestaltung mit dem regelmäßigen fünfstrahligen Grundriß, den gut erhaltenen und gepflegten, z.T. mit Blech gedeckten Gebäuden, die ein Zeichen eines gewissen Wohlstandes waren; zum andern seine tatkräftigen stolzen Menschen, die sich mit Fleiß und Zähigkeit trotz ungünstiger äußerer Bedingungen emporzuarbeiten wußten, die aber auch das gesellige Leben, gute Kleidung und andere angenehme Dinge zu schätzen wußten. Besonders an Feiertagen, z.B. Kirchweih, zog Königsau gewissermaßen als kleiner ländlicher deutscher Mittelpunkt die deutschen Menschen, Verwandte und Bekannte aus benachbarten und auch fernen Ortschaften an. Die Kerb fand am 3. Sonntag im Oktober statt. Da wurde gebacken und geschlachtet und zwei Tage gefeiert und getanzt, letztmalig 1938. Anziehungspunkte für die Jugend waren stets die Tanzabende im Gemeindehaus. In angenehmer Erinnerung habe ich ferner die schönen Abende, die die Jugend bei Gesang und Spiel mit ihren Wanderlehrern verbracht hat. Zu erwähnen ist auch noch die Aufgeschlossenheit gegenüber der übrigen Welt, was sichl u.a. auch darin widerspiegelte, daß man Rundfunk hörte, Zeitungen las und daß besonders viele Jugendliche, die in den zwanziger Jahren nach Übersee ausgewandert waren, durch BriefwechseI und Besuche die Verbindung zur alten Heimat erhalten haben." (4.4.1965.)

Eine andere GP: "In angenehmer Erinnerung an Königsau habe ich: Das Dorf war sehr schön angelegt. Die Kirche, die Schule, das Gemeinde haus und die Molkerei befanden sidl in der Mitte des Dorfes, von allen Seiten also leicht erreichbar. Das Dorf lag in einer schönen Landschaft. Der Boden war besonders fruchtbar und das Klima sehr günstig. Außerdem war ein schöner Wald in der Nähe."

Zu guter Letzt eine GP: "Wenn wir auch in unserer Jugend es nicht so gut hatten wie es unsere Kinder heute haben, aber Königsau bleibt Königsau und für uns immer unvergessen. Wir haben oft Sehnsucht nach dort, nur ein einziges Mal möchten wir es sehen wollen. Es war einfach romantisch in unserem schönen lieben Königsau, herrlich angelegt und harmonisch." (7.3.1965.)

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Quellennachweis:
Deutsches Volksblatt für Galizien, Lemberg, 1907-1939
Prof. Dr. Walter Kuhn, Der Dorfplan von Königsau, in 1781-1931, Gedenkbuch zur Erinnerung an die Einwanderung der Deutschen in Galizien
Dr. Ludwig Schneider, Das Kolonisationswerk ]osephs II. in Galizien, Verlag Hirzel in Leipzig 1939
Sepp Müller, Das deutsche Genossen
schaftswesen in Galizien usw., Verlag C. F. MÜLLER, KARLSRUHE, 1954

Auskunftsbriefe von sieben Gewährspersonen (GP) aus Königsau in alphabet. Reihenfolge:
Barthel, Mathilde, in Bad Hornburg
Hott, Elisabeth, in Obersasbach/Baden
Kaufhold, Josef, in Harnburg
Reichert, Mathilde, in Würzburg
Schneider, Emanuel, in Ostdeutschland
Schuster, Maria, in Würzburg
Schwarz, Johann, in Grußendorf