Reisen und Treffen im Jahr 2004




11. Königsau Treffen

Am 21. August 2004 fand in BREHNA in der Gaststätte "Schützenhaus" das 11. Königsau Treffen statt. Darüber wurde in der Mitteldeutschen Zeitung (Bitterfelder Zeitung - 24.08.04) berichtet:

Brehna/MZ. Was sie umtreibt, ist die Erinnerung an ein Dorf. Königsau, heute Rivne, gelegen in Galizien, einem Landstreich in der Ukraine. Dort sind nicht wenige der gut 100 Frauen und Männer geboren, die sich am Sonnabend in Brehna trafen.

Ihre familiären Wurzeln sehen indes alle Besucher dort. Und dies völlig unabhängig davon, wie alt sie sind oder wohin sie es mittlerweile verschlagen hat. Eines wollen sie indes nicht: In einen Topf geworfen werden mit jenen, die vehement auf die Wiedergabe ehemaligen Eigentums oder gar die Rückkehr in alte Siedlungsgebiete beharren. Denn vor mehr als 64 Jahren haben die Deutschen ihr Dorf verlassen.

Das bestätigt Angela Fabian, durch Heirat zum Kreis der Königsauer gekommen und an der Geschichte der deutschen Siedlung im fernen Galizien interessiert. 1940 hätten die Königsauer ihr 200 Jahre zuvor besiedeltes Dorf verlassen und eine Odyssee in Kauf genommen, die unter dem Schlagwort "Heim ins Reich" begann.

Mehrere Monate Aufenthalt in Lagern, dann die Ansiedlung im damaligen Warthegau. Dann der erneute - unfreiwillige - Aufbruch, die Flucht 1945 Richtung Westen. Es sind Erinnerungen, die viele Königsauer in sich tragen. Was sie vereint, ist indes das Interesse an der Heimat.


1993 machte sich der Dreierbund Johann und Adolf Reichert sowie Johann Geib daran, die häufig durch familiäre Bande verknüpften Dorfbewohner und ihre Nachkommen an einen Tisch zu bekommen. Die Idee des jährlichen Treffens war geboren. Fotos und Urkunden wurden zusammengetragen, Geschichte wird versucht, nachzuzeichnen.

"Ein schwieriges Unterfangen", weiß Angela Fabian. Doch Recherchen in unterschiedlichsten Archiven und Gespräche miteinander helfen, das Puzzlespiel Stück für Stück zu einem großen Ganzen werden zu lassen. Immer klarer zeichnen sich Familienstammbäume ab, auch die Liste der Kriegsgefallenen und Vermissten weist lange nicht mehr so viele Lücken wie zu Beginn der gemeinsamen Spurensuche auf. Es ist eine Möglichkeit der Erinnerung. Eine andere ist die Fahrt nach Königsau, dem heutigen Rivne. Dort ist anfängliche Skepsis längst gewichen. Im Gegenteil. Die Deutschen werden im heute deutlich kleineren Dorf (1940 lebten in Königsau 640 Menschen, Rivne zählt knapp 200 Einwohner) bei ihrer Ahnensuche nicht behindert. Doch sie suchen nicht nur auf dem Friedhof oder in den wenigen alten Gebäuden nach den eigenen Wurzeln. Die Königsauer helfen auch. Bei der letzten Fahrt haben sie 40 Fahrräder mit in die Ukraine genommen. "Für jede dort lebende Familie eines, der Gerechtigkeit wegen", sagt Angela Fabian und denkt bereits an das nächste Treffen. Die Einladungen dafür müssen in alle Welt verschickt werden.

Von ULF ROSTALSKY